Arzneimittel- und Hormonrückstände im Trinkwasser

Sachliche Einordnung, Umweltaspekte und vorsorgliche Betrachtung

Eintrag von Arzneimitteln in den Wasserkreislauf

Arzneimittel sind ein fester Bestandteil der modernen medizinischen Versorgung. Viele Wirkstoffe werden im menschlichen Körper nicht vollständig abgebaut, sondern teilweise unverändert oder als Abbauprodukte über Urin und Stuhl ausgeschieden. Diese Stoffe gelangen über das Abwasser in Abwasserreinigungsanlagen und damit in den natürlichen Wasserkreislauf.

Die Abwasserreinigung in der Schweiz ist auf einem hohen technischen Niveau. Sie ist primär darauf ausgelegt, Krankheitserreger, organische Belastungen und Nährstoffe zu entfernen. Für bestimmte sogenannte Mikroverunreinigungen, darunter Arzneimittel- und hormonell aktive Substanzen, sind konventionelle Verfahren jedoch nur begrenzt wirksam. Entsprechend können in Oberflächengewässern und vereinzelt auch im Trinkwasser Spuren solcher Stoffe nachgewiesen werden.

Wie werden Medikamente im Körper ausgeschieden?

Übersichtliche Beispiele (vereinfachte Darstellung)

Die folgende Tabelle zeigt typische, gerundete Richtwerte, wie ausgewählte, häufig verwendete Medikamente vom menschlichen Körper verarbeitet und ausgeschieden werden. Die Angaben dienen der allgemeinen Einordnung und stellen keine individuellen oder medizinischen Aussagen dar.

Medikament (Beispiel)

Metformin für Diabetes wird zu ca. 50–70 % (grösstenteils unverändert) über den Urin ausgeschieden. Es wird kaum abgebaut und gelangt daher vergleichsweise häufig ins Abwasser.

Aspirin (Acetylalicylsäure) bei Schmerzen & Fieber wird zu ca. >60 %, überwiegend als Abbauprodukte. Wird im Körper weitgehend umgewandelt und dann ausgeschieden.

Ibuprofen für Schmerzen& Entzündung wird ca. 10–15 % unverändert, Rest als Metaboliten, ausgeschieden.

Antibiotika (z. B. Ciprofloxacin) bei Infektionen, ca. 40–60 % (Anteil variiert je nach Wirkstoff) wird ausgeschieden.

Antibiotika (z. B. Amoxicillin) bei Infektionen, ca. 50–70 % (Teilweise unverändert ausgeschieden)

Chemotherapeutika zur Krebsbehandlung die ausscheidung ist stark variabel (teils hoher Anteil) Sehr stoffabhängig, häufig umweltrelevant

Hormonelle Wirkstoffe (z. B. aus Verhütungsmittel, meist geringe Mengen aber biologisch wirksam. Bereits kleine Mengen können Effekte zeigen.

Wichtig: Die tatsächliche Ausscheidung hängt u. a. ab von:

• dem Wirkstoff

• der Dosierung

• individuellen Stoffwechseleigenschaften

• Alter und Gesundheitszustand

Gesundheitliche Einordnung für die Schweiz

Die in der Schweiz gemessenen Konzentrationen von Arzneimittel- und Hormonrückständen im Trinkwasser liegen in der Regel deutlich unterhalb gesundheitsrelevanter Schwellenwerte. Nach Einschätzung der zuständigen Fachbehörden gilt Trinkwasser aus öffentlichen Versorgungen als sicher und gesundheitlich unbedenklich.

Gleichzeitig wird in der Forschung darauf hingewiesen, dass:

• Langzeitwirkungen sehr geringer Konzentrationen

• mögliche Kombinationswirkungen verschiedener Stoffe

• sowie der kontinuierliche Eintrag über Jahrzehnte

noch nicht abschliessend beurteilt werden können. Diese Fragestellungen sind Gegenstand laufender wissenschaftlicher Untersuchungen.

Umweltaspekte und Vorsorgeprinzip

In der Umwelt sind die Auswirkungen bestimmter Stoffe besser dokumentiert als beim Menschen. In wissenschaftlichen Studien wurden bei Wasserorganismen, insbesondere bei Fischen und Amphibien, hormonelle Veränderungen und Fortpflanzungsstörungen beobachtet, vor allem in stärker belasteten Gewässerabschnitten.

Diese Erkenntnisse sind ein wichtiger Bestandteil des in der Schweiz geltenden Vorsorgeprinzips, wonach Umweltbelastungen möglichst frühzeitig reduziert werden sollen – auch dann, wenn keine akuten Risiken für die Bevölkerung bestehen.

Ergänzende Wasseraufbereitung im Haushalt

Einige Haushalte entscheiden sich aus persönlichen, qualitativen oder vorsorglichen Gründen für zusätzliche Aufbereitungssysteme am Ort der Wasserentnahme. Diese werden ergänzend eingesetzt und stellen keine Aussage über die Qualität oder Sicherheit der öffentlichen Trinkwasserversorgung dar.

Zusammenfassende Einordnung

• Arzneimittel- und Hormonrückstände im Wasserkreislauf sind wissenschaftlich nachgewiesen

• Die Konzentrationen im Schweizer Trinkwasser gelten als sehr niedrig und gesundheitlich unbedenklich

• Langzeit- und Kombinationswirkungen werden weiter erforscht

• Umweltwirkungen bei Wasserorganismen sind dokumentiert

• Zusätzliche Wasseraufbereitung im Haushalt erfolgt freiwillig und vorsorglich

Rechtlicher Hinweis

Hinweis:

Die Inhalte dieser Website dienen ausschliesslich der allgemeinen Information. Sie stellen keine medizinische, therapeutische oder gesundheitliche Beratung dar und ersetzen weder ärztliche Abklärungen noch behördliche Bewertungen.

Trinkwasser aus öffentlichen Versorgungen in der Schweiz unterliegt den gesetzlichen Anforderungen der Lebensmittel- und Umweltgesetzgebung und gilt nach aktueller Einschätzung der zuständigen Behörden als sicher.

Ergänzende Systeme zur Wasseraufbereitung werden auf freiwilliger Basis eingesetzt. Es werden keine Heil-, Schutz- oder Gesundheitsversprechen abgegeben.

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Bundesamt für Umwelt (BAFU): Mikroverunreinigungen im Wasser

2. World Health Organization (WHO): Pharmaceuticals in Drinking-water

3. European Environment Agency (EEA): Pharmaceuticals in the environment

4. Kümmerer, K. (2010): Pharmaceuticals in the Environment, Annual Review of Environment and Resources

5. Daughton, C.G. & Ternes, T.A. (1999): Pharmaceuticals and Personal Care Products in the Environment, Environmental Health Perspectives

6. Jobling et al. (1998): Widespread Sexual Disruption in Wild Fish, Environmental Science & Technology

7. EU-Kommission: Study on the environmental risks of medicinal products

8. WHO (2011): Endocrine Disrupting Chemicals in the Environment